Shared Service Center gelten seit Jahren als bewährtes Modell zur Effizienzsteigerung. Prozesse werden gebündelt, Standards geschaffen, Kosten reduziert.
In der Theorie funktioniert das hervorragend.
In der Praxis sieht es oft anders aus:
Unzufriedene Fachbereiche, überlastete Teams im Service Center und eine Organisation, die mehr mit sich selbst beschäftigt ist als mit ihrem eigentlichen Auftrag.
Warum ist das so?
Weil Shared Service Center selten an der Idee scheitern – sondern an der Umsetzung.
Warum Shared Service Center oft nicht funktionieren
Die Einführung eines Shared Service Centers ist kein reines Strukturthema.
Sie verändert:
- Verantwortlichkeiten
- Entscheidungswege
- Zusammenarbeit zwischen Bereichen
- Machtverhältnisse in der Organisation
Und genau hier entstehen die Probleme.
Die 10 häufigsten Fehler
1. Das SSC wird als „Kostenstelle“ gesehen
Einer der größten Denkfehler:
Das Shared Service Center wird ausschließlich über Kosten definiert.
Die Folge:
- Fokus auf Einsparung statt Qualität
- fehlende Wertschätzung
- kurzfristige Entscheidungen
👉 Ein gutes SSC ist kein Kostenfaktor – sondern ein Produktivitätshebel für die gesamte Organisation.
2. Unklare Rollen zwischen Fachbereich und SSC
Wer ist wofür verantwortlich?
Diese Frage ist in vielen Organisationen nicht sauber geklärt.
Typische Folgen:
- Doppelarbeit
- Lücken in Prozessen
- ständige Abstimmungen
Klare Rollen sind die Grundlage für funktionierende Zusammenarbeit.
3. Fehlende Service-Orientierung
Ein Shared Service Center ist kein „interner Verwaltungsapparat“.
Trotzdem verhalten sich viele SSCs genau so:
- Fokus auf Regeln statt Lösungen
- geringe Flexibilität
- wenig Verständnis für den Fachbereich
Erfolgreiche SSCs denken in Services – nicht in Zuständigkeiten.
4. Schlechte oder fehlende Governance
Viele SSCs kämpfen mit:
- unklaren Entscheidungswegen
- langen Abstimmungsprozessen
- widersprüchlichen Anforderungen
Das Ergebnis:
- Frustration auf allen Seiten
- ineffiziente Abläufe
Governance ist kein Bürokratie-Thema – sondern Voraussetzung für Geschwindigkeit.
5. Konflikte zwischen SSC und Fachbereich werden ignoriert
Ein Klassiker in nahezu jeder Organisation.
Das SSC will standardisieren.
Der Fachbereich will Flexibilität.
Wenn dieser Konflikt nicht aktiv gesteuert wird:
- entstehen Spannungen
- sinkt die Qualität der Zusammenarbeit
- werden Lösungen blockiert
Diese Spannungen sind normal – aber sie müssen aktiv moderiert werden.
6. Zu wenig Einbindung der Mitarbeitenden
SSC-Strukturen werden oft „top-down“ eingeführt.
Die Mitarbeitenden:
- verstehen den Hintergrund nicht
- fühlen sich übergangen
- entwickeln Widerstand
Transformation funktioniert nur, wenn Menschen eingebunden sind.
7. Zu hohe Erwartungen in zu kurzer Zeit
Viele Organisationen erwarten:
- sofortige Effizienzgewinne
- schnelle Kostensenkung
- reibungslose Abläufe
Die Realität:
Ein SSC braucht Zeit, um stabil zu werden.
Ungeduld führt oft dazu, dass gute Ansätze vorschnell als „gescheitert“ bewertet werden.
8. Standardisierung ohne Verständnis für den Kontext
Standardisierung ist ein zentrales Ziel eines SSC.
Aber:
Nicht alles lässt sich sinnvoll standardisieren.
Wenn Prozesse zu starr werden:
- verlieren sie an Qualität
- passen nicht mehr zur Realität
- entstehen Umgehungslösungen
Gute SSCs finden die Balance zwischen Standardisierung und Flexibilität.
9. Fokus auf Struktur statt auf Prozesse
Viele SSC-Projekte konzentrieren sich auf:
- Organigramme
- Zuständigkeiten
- Reporting-Linien
Dabei wird vergessen:
Der eigentliche Mehrwert liegt in den Prozessen.
Ein schlecht gestalteter Prozess bleibt schlecht – egal, wo er organisatorisch verankert ist.
10. Fehlende kontinuierliche Weiterentwicklung
Ein SSC ist kein „fertiges Modell“.
Trotzdem werden viele SSCs nach der Einführung sich selbst überlassen.
Die Folge:
- Stillstand
- zunehmende Ineffizienz
- sinkende Akzeptanz
Erfolgreiche SSCs entwickeln sich kontinuierlich weiter.
Was ein gutes Shared Service Center auszeichnet
Aus meiner Erfahrung gibt es einige klare Erfolgsfaktoren:
Klare Positionierung im Unternehmen
Das SSC ist nicht „Support“, sondern ein integraler Teil der Wertschöpfung.
Eindeutige Rollen und Verantwortlichkeiten
Keine Grauzonen – klare Zuständigkeiten.
Service-Orientierung
Das SSC denkt in Lösungen, nicht in Regeln.
Aktive Steuerung von Konflikten
Spannungen werden nicht ignoriert, sondern genutzt.
Kontinuierliche Weiterentwicklung
Ein SSC ist ein dynamisches Modell – kein statisches.
Fazit: Ein Shared Service Center ist mehr als eine Struktur
Ein SSC ist kein organisatorisches Konstrukt, das man einmal definiert und dann „funktioniert es“.
Es ist ein Betriebsmodell, das aktiv geführt werden muss.
Organisationen, die das verstehen:
- schaffen echte Effizienz
- verbessern die Zusammenarbeit
- steigern die Qualität ihrer Services
Organisationen, die es nicht tun:
- kämpfen dauerhaft mit denselben Problemen


